Peter Strauß liest Peter Rosegger

Gedanken zu den Geschichten Peter Roseggers
Fernsehen im Kopf

Peter Rosegger?
Waldbauernbub. Heimatdichter. Steirer. Schulstoff
In seiner Jugend gab es kein Auto, kein Telefon, jede Menge Analphabeten, einen Kaiser in Wien und Krieg mit Preußen.
Zum Zeitpunkt seines Todes begann das Auto das Stadtbild zu beherrschen, Fernsprecher wurden zur alltäglichen Erscheinung, der letzte Kaiser stand kurz vor seiner Abdankung und der erste weltumspannende Krieg ging gerade zu Ende.
In seinem Leben zeichnete Peter Rosegger einen ähnlich atemberaubenden Bogen. Wegen allzu schwächlicher Konstitution kam er, obwohl Ältester, als Hoferbe nicht in Frage. Schneiderlehre und Stör, Lesen und Schreiben, Einladung nach Graz und Förderung durch hervorragende Personen des Kultur und Wirtschaftslebens. Schnelle Erfolge. Der Waldbauernbub war mit dreißig ein bekannter Mann, verdiente Geld und lebte in der Stadt.

Wer also ist Peter Rosegger?
In der Rosegger – Biografie der Germanistin Eva Philippoff finde ich den Satz: „Von einem als reell geltenden Faktum aus gehend wird die Handlung linear im Ton des oralen Erzählens aufgerollt...“ – Dieser Satz zeigt einen Weg, auf dem man sich in direkter Form, ohne „Umweg“ über das Äußere, die Person, dem Schriftsteller nähern kann: Über seine Geschichten. Sie sind geschrieben wie ein guter Film. Schon durch die ersten Sätze wird man unweigerlich festgehalten. Dramaturgie und Ton sind so, wie eine Erzählung in dämmriger Stube vor gespannten Zuhörern es verlangt: Fernsehen im Kopf.

Dasselbe gilt für den Vortrag. Alles schauspielerische – große Gesten und theatralisches Beiwerk – deckt die Geschichten zu, verklebt und verkleistert sie. Konzentriert man sich aber ausschließlich auf den Text, gibt man ihm seine Stimme und lässt sich auf das Tempo und den Rhythmus, die immer das Gehen, das zu Fuß sein sind und niemals das Hetzen und Mobilsein unserer Zeit, lässt man sich darauf ein, ersteht aus Roseggers Worten ein ungeahnt plastisches Bild: der ruhige, differenzierte und humorvolle Film der jeweiligen Geschichte. Der Interpret als Medium, das den Text schwingen und leuchten lässt.

So ist Peter Rosegger für mich vor allem der Geschichtenerzähler, der seine Zuhörer mit zwei, drei Sätzen so zu fesseln vermag, dass sie ihm bereitwillig, ja begierig auf allen seinen Wegen durch die Waldheimat folgen. Der Fernseher und das Fernsehprogramm sind heute stundenlanger Fix- und Streitpunkt im Tagesablauf. Ob es sich lohnt, das Geschichtenerzählen, das Lesen und Vorlesen wieder zu kultivieren, mag ein jeder für sich selbst entscheiden.

Programm

(jeweils drei Geschichten)
- Weihnachts – Version
- Sommer – Version

Auch von Ihnen gewünschte „Aufträge“ zu bestimmten Anlässen oder Themen sind möglich.

Peter Strauss liest Peter Rosegger
Foto: Archiv Schloß Arstetten

CD "Peter Strauss liest Peter Rosegger"

Inhalt:
"Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß"
"Als ich die Christtagsfreude holen ging"

Musik: Waldnerwirt Musi

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